INSTALLATION

Dachabdeckung
1996, alte Schieferdachplatten, Kaminverkleidungen, Schneeabfanggitter (Teilansicht) · 350 x 400 x 800 (H x B x T)
Das Dach des Hauses ›Berger Str. 329‹ war alt und brüchig geworden. Die Blechverkleidungen der Gesimse, Kamine, Dachgauben waren undicht, die Schnee-Abfanggitter waren verrostet. Der Wind pfiff durch die Ritzen, und die Balken waren morsch. Durch die Platten tropfte der Regen, die Dachrinnen waren voller Löcher. Kurzum, es war höchste Zeit, das Dach zu erneuern.

Im Herbst 1995 war es soweit. Mit Getöse polterten die ersten Schieferplatten in die Container. Da standen sie nun – die Container, gefüllt mit einem alten Dach, oder was davon übrig blieb. Die ersten Tage stand ich davor und staunte, was ein Dach alles hergibt: Platten, Balken, Bleche, Gitter, Latten, Rinnen, Rohre, Haken, Dachpappe, Ziegelsteine, Nägel, Schutt und so weiter. Am vierten Tag hatte ich eine zündende Idee. Dieses alte Dach hatte uns über Jahre gut beschützt. Ich wollte ihm noch einmal eine Chance geben. Ich fing an in den Containern zu wühlen, sammelte alles, was mir interessant erschien, und brachte es in mein Atelier. Dann begann die künstlerische Arbeit. Das Ergebnis sehen Sie heute auf zwei Etagen: vier Rauminstallationen, vier Wandinstallationen, drei Objekte und drei große Bilder.

In Fachkreisen spricht man von ›Recycling-Kunst‹. Ich würde es eher als ein Beispiel für aktuelle Kunst sehen, denn ich reagierte auf einen aktuellen Anlass, zu dem ich eine persönliche Beziehung hatte. Das Dach, einst höchster und außen angebrachter Teil des Hauses, ist jetzt, künstlerisch umgestaltet, in den am tiefsten gelegenen Räumen des Hauses ausgestellt (außen nach innen / oben nach unten). (KB 1996)
Weitere Ansichten
Dachabdeckung
oder: wie ein ausgedientes Dach noch einmal eine Chance erhält.
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